Je fünfeinhalb Jahre für Amis-Bosse

Alle Angeklagten nahmen die Urteile an, für einen gab es sogar einen Freispruch.
Der Staatsanwalt überlegt noch.

Einer Geschädigten blieb, stellvertretend für 15.000, gar nichts erspart. „Haben Sie die Angeklagten zuvor jemals gesehen?“, wird die Zeugin am neunten und letzten Verhandlungstag gefragt. „Leider, in den Medien, aber Gott sei dank noch nicht live.“

Bald darauf war der Amis-Betrugsprozess im Austria-Center Vienna – in das sich am Ende nur noch 17 Privatbeteiligten-Anwälte und 12 Zuhörer bemühten – vorbei. Die Urteile: Je fünfeinhalb Jahre für die zwei Amis-Chefs. Es gab aber auch einen Freispruch.

Zu Gesicht bekommen hatte die Geschädigte Martina W. seinerzeit nur ihren Makler sowie die „bunten Bilder und schönen Torten-Grafiken, mit denen er gezeigt hat, wie breit das veranlagte Geld gestreut wird.“ Auch Hochglanz-Prospekte gab es, Richterin Daniela Setz-Hummel weist auf den von den Amis-Managern formulierten Text hin: „Wir gratulieren, Sie haben sich für eine der intelligentesten Anlageformen entschieden.“ – „Lesen Sie mir das bitte gar nicht vor!“, stöhnte die Zeugin.

Immerhin darf die 42-Jährige nach sechs Jahren und fast 40.000 verlorenen Euro endlich erfahren, wohin ein Großteil des Geldes geflossen ist. Staatsanwalt Georg Krakow rechnet vor: Von der Rate für ein Amis-Produkt (Frau W. investierte ab 1. Dezember 2001 in zwei Produkte), 436 Euro im Monat, kassierte der Amis-Konzern 32 Euro, ein Vermittler namens Veit 131 Euro ... Martina W. unterbricht: „Wie viel? Und wie heißt der? Ich kenn’ den Menschen nicht?“ Ihr Makler heißt anders.

Der Staatsanwalt setzt fort: 44 Cent bekam eine Consultinggesellschaft, 32,70 Euro ein Amis-Franchisepartner, 13,08 Euro ein Amis-Tochterunternehmen.

Nichts davon war Martina W. bekannt; und auch nicht, dass ihr restliches Geld von einem Treuhänder auf den Cayman Islands verwaltet wurde. Dem hätte sie nie zugestimmt, sagt sie: „Ich bin eher auf der vorsichtigen Seite.“ Jetzt bleibt ihr die „Aufarbeitung des Trümmerhaufens“, Anwalt Benedikt Wallner hilft dabei.
Im Prozessfinale erfuhr man noch, dass Bawag-Spekulant Wolfgang Flöttl an der Amis-Vorgängergesellschaft als stiller Gesellschafter beteiligt war und 872.000 Euro verloren hat. „Flöttl hat anscheinend in amerikanischen Verhältnissen gedacht, da war das nicht so viel“, lässt die in Texas lebende Gesellschafts-Gründerin ausrichten.
Die Urteile fielen (bei einem Strafrahmen bis zu 10 Jahren für schweren Betrug) moderat aus: Je fünfeinhalb Jahre Haft für Harald Loidl, 48, (Verteidiger Ernst Schillhammer) und Dietmar Böhmer, 37. Dreieinhalb Jahre plus eine Million Euro Geldstrafe (wegen Steuerhinterziehung) für Thomas Mitter, 35. Alban Kuen, 31, wurde vom Betrug freigesprochen; er bekam lediglich wegen Steuerhinterziehung eine Geldstrafe von 53.000 Euro.

Des weiteren wurden die Amis-Chefs zu zusätzlichen Geldstrafen in Höhe von 5,1 Mio. Euro und Mitter zu 255.588 Euro verurteilt. Alle vier nahmen die Urteile an. Die Privatbeteiligten wurden auf den Zivilrechtsweg verwiesen.

Quelle: KURIER / 21.12.2007 / von Ricardo Peyerl und Andreas Wasinger